Ernährung und Therapie bei Eisenmangel

Wenn bei der Diagnose des Arztes ein Eisenmangel festgestellt wird, stellt sich immer die Frage nach der Ursache. Eine mangelnde Zufuhr von Eisen über die Nahrung ist ein häufiger Grund für einen Eisenmangel. In diesem Fall sollte die Ernährung entsprechend angepasst werden, so dass der Körper ausreichend mit Eisen versorgt wird – zur Therapie und zur Vorbeugung. Doch welche Nahrungsmittel sind besonders eisenhaltig und wie funktioniert eigentlich die Eisenaufnahme im Körper?

Eisengehalt in Nahrungsmitteln

Tierische Nahrungsmittel mit hohem Eisengehalt

Fleischsorten wie Rind, Kalb, Schwein, Geflügel sowie Fisch und Meeresfrüchte sind eisenhaltig. Aufgrund seines hohen Blutgehalts als „rot“ bezeichnetes Fleisch sowie verarbeitetes Fleisch stellen die Hauptquelle für Eisen in den Industrieländern dar. Allerdings sollte aus gesundheitlichen Gründen der Verzehr von rotem Fleisch 500 g pro Woche nicht überschritten werden. Mit einem Gehalt von 30 mg Eisen pro 100 g gilt die Blutwurst als Spitzenreiter unter den gängigen Eisenlieferanten.

Welche Nahrungsmittel enthalten pflanzliches Eisen?

Zu den eisenhaltigen pflanzlichen Nahrungsmitteln gehören vor allem Hülsenfrüchte, grünes Gemüse, Nüsse, Trockenobst und Getreideprodukte. Darunter sind besonders Sojamehl (12 mg Eisen/100 g), Weizenkleie (16 mg/100 g) und Kürbiskerne (8,2 mg/100 g) für den Körper potente Eisenlieferanten.

 

Eisen ist nicht gleich Eisen

Rotes Fleisch (insbesondere vom Rind) und Fisch enthalten viel Eisen [s.o.] mit hoher Bioverfügbarkeit, das sogenannte „Häm-Eisen“ (2-wertiges Eisen, Fe2+). Auch einige pflanzliche Nahrungsmittel wie Weizenkleie, Soja, Linsen oder Bohnen sind reich an Eisen [s.o.]. Dabei handelt es sich jedoch um einen anderen Typ von Eisen, das „Nicht-Häm-Eisen“ (3-wertiges Eisen, Fe3+). Dieser Eisentyp wird bei der Nahrungsverdauung in 2-wertiges Eisen umgewandelt, denn nur dieses Fe2+ kann vom Körper überhaupt aufgenommen werden.

Eisenpräparate: 2- oder 3-wertiges Eisen – was ist besser?

Die Auswahl an Eisenprodukten auf dem Markt ist groß. Im Handel finden sich eisenhaltige Nahrungsergänzungsmittel ebenso wie medizinische Eisenpräparate. Gesunde Personen mit einer ausgewogenen Ernährung benötigen in der Regel keine eisenhaltige Nahrungsergänzungsmittel. Anders sieht es bei Patient/inn/en mit Eisenmangel aus. Sollte sich in der ärztlichen Praxis ein Verdacht auf Eisenmangel bestätigen und ist dieser medikamentös behandelbar wird eine entsprechende Therapie eingeleitet. Empfehlenswert aus wissenschaftlicher Sicht sind hierzu Eisenpräparate mit 2-wertigem Eisen, wohingegen solche mit 3-wertigem Eisen eine geringere Wirksamkeit aufweisen. Nahrungsergänzungsmittel können jedoch laut Gesetz prinzipiell nicht wie Arzneimittel wirken, da sie keine ausreichend hohe Dosis der Wirkstoffe – in diesem Fall Eisen – enthalten dürfen.

Eine Behandlung des Eisenmangels sollte möglichst mit oral (über den Mund) einzunehmenden medizinischen Eisenpräparaten erfolgen.

Die intravenöse Verabreichung von Eisenmedikamenten kann dann verordnet werden, wenn (zwei verschiedene) orale Präparate nicht vertragen wurden, eine Störung der Eisenaufnahme (Resorptionsstörung) vorliegt oder eine orale Behandlung nicht ausreicht.

 

Unterschiedliche Bioverfügbarkeit der beiden Eisentypen aus der Nahrung

Der Körper kann aus tierischen Produkten rund 15–35 % des enthaltenen Eisens verwerten, aus pflanzlichen Lebensmitteln jedoch nur 5–12 %. Diese Bioverfügbarkeit (wie gut unser Organismus das Eisen aus der Nahrung aufnehmen kann) ist beim Eisen aus tierischen Produkten also deutlich höher. Pflanzliche Lebensmittel enthalten zwar auch Eisen, aber dieses Nicht-Häm-Eisen wird vom Organismus sehr viel schlechter resorbiert als tierisches Häm-Eisen.

Vegetarier und Veganer sollten daher besonders darauf achten, eine ausreichend hohe Menge an Eisen über die Nahrung zu erhalten oder zusätzlich Eisenpräparate zu sich zu nehmen, um die Eisenversorgung sicherzustellen.

Wichtig: Eisen aus tierischen Lebensmitteln ist besser verfügbar als aus pflanzlichen.

Welche weiteren Faktoren beeinflussen die Eisenresorption?

Die Aufnahme des Spurenelements Eisen wird noch durch weitere Faktoren beeinflusst: Bestimmte Nahrungsbestandteile begünstigen die Eisenresorption, andere wiederum hemmen die Aufnahme von Eisen.

Nahrungsmittel, welche die Eisenverwertung hemmen

Zu den Lebensmitteln, welche die Eisenverwertung verschlechtern, gehören vor allem Getreideprodukte und Nüsse sowie Tee und Kaffee. Einige Inhaltsstoffe in diesen Lebensmitteln können die Eisenverwertung um bis zu 80 % senken. Interessanterweise gilt dies auch für Eisenpräparate – diese Nahrungsmittel sollten deshalb auch nicht gleichzeitig mit Eisenpräparaten eingenommen werden, sondern mindestens 2 Stunden vor oder danach – genaueres zu Eisenpräparaten unten.

Diese Lebensmittel und Inhaltsstoffe reduzieren die Eisenaufnahme:

  • Schwarztee (durch Tannine)
  • Kaffee, Kräutertee, Rotwein (durch Polyphenole)
  • Gemüse, Getreide, Reis, Sesam (durch Phytate)
  • Milchprodukte (durch Calcium und Phosphate)
  • Kakao, Schokolade, Spinat, Rhabarber (durch Oxalsäure)

Lebensmittel und Inhaltsstoffe, welche die Eisenaufnahme fördern

Es gibt auch die Möglichkeit, die Eisenaufnahme im Darm durch bestimmte Nahrungsmittel zu verbessern – Fleisch, Fisch und Sauerkraut beispielsweise fördern die Resorption von Eisen. Besonders gut für die Eisenverwertung ist jedoch Vitamin C – ein Glas Orangensaft zu den Mahlzeiten unterstützt daher die Eisenaufnahme.

Eisenpräparate zur Nahrungsergänzung

Ein fortgeschrittener Eisenmangel kann durch die Ernährung kaum behoben werden. Im Falle einer Anämie bei Erwachsenen sind laut Weltgesundheitsorganisation mindestens 60 mg Eisen pro Tag nötig, um die Eisenspeicher wieder aufzufüllen. Zur Therapie wird der Arzt deshalb bestimmte Arzneimittel zur Behandlung des Eisenmangels verordnen, um einen akuten Eisenmangel auszugleichen.

Dennoch ist auch eine eisenreiche Ernährung wichtig – insbesondere zur Vorbeugung, um einen Eisenmangel bzw. eine Anämie erst gar nicht entstehen zu lassen. Eine ausgewogene Ernährung mit reichlich eisenhaltigen Nahrungsmitteln ist die Grundlage, um Eisenmangelerscheinungen zu vermeiden.

Medikamentöse Therapie bei Eisenmangel

Bekommt der Körper trotz einer Ernährungsumstellung zu wenig Eisen oder liegt ein schwerer Eisenmangel vor, wird der Arzt die orale Einnahme von Eisenpräparaten verordnen. Eine Anämie, die durch Eisenmangel verursacht wurde, wird dann medikamentös behoben. Wer zu einer der Risikogruppen zur Entwicklung eines Eisenmangels gehört (siehe unten) sollte seinen Eisenstatus regelmäßig untersuchen lassen.

Risikogruppen – hier steigt das Risiko für einen Eisenmangel um bis zu 30 %:

  • Menstruierende Frauen
  • Schwangere sowie Wöchnerinnen und Stillende
  • Vegetarier
  • Sportler
  • Ältere Menschen
  • Patienten mit entzündlichen Magen-Darm-Erkrankungen

Eisenpräparate zur Therapie eines Eisenmangels

Apotheken und Drogerien bieten ein breites Angebot eisenhaltiger Produkte unterschiedlicher Kategorien. In der Regel wird der Arzt bei einem diagnostizierten Eisenmangel den Betroffenen medizinisch wirksame Eisenpräparate verordnen. Im Gegensatz dazu sind die weit verbreiteten Nahrungsergänzungsmittel aus der Drogerie nicht dazu geeignet, einen Eisenmangel zu beheben. Sie können lediglich eine eisenarme Ernährung ausgleichen. Nahrungsergänzungsmittel wirken nicht wie Arzneimittel, da sie per Gesetz keine ausreichend hohe Dosis des Wirkstoffs enthalten dürfen. Ein vom Arzt festgestellter Eisenmangel ist jedoch eine Erkrankung, die einer medizinischen Behandlung bedarf.

Unterschiedliche Wirkung und Verträglichkeit von Eisenpräparaten

Orale Eisenpräparate enthalten noch andere Inhaltsstoffe außer Eisen und sind daher in ihrer Wirksamkeit und Bioverfügbarkeit unterschiedlich. Präparate, die ihr Eisen schnell abgeben, sind weniger gut verträglich – sie verursachen häufiger Nebenwirkungen. Das Eisen wird vor allem im Magen zu schnell freigesetzt und kann dort noch nicht vom Organismus resorbiert werden – die Resorption erfolgt erst später im Dünndarm.

Experten empfehlen orale Eisenpräparate auf der Basis von Eisensulfat, denn hier liegt das Eisen in der für den Organismus gut bioverfügbaren Form Fe2+ vor. Wenn orale Präparate nicht vertragen werden, kann der Arzt Eisenpräparate auch intravenös verabreichen.

Eisenpräparate mit Retard-Wirkung

Da die Resorption von Eisen erst im Dünndarm erfolgt, wurden Präparate entwickelt, die das Eisen verzögert freisetzen: sogenannte Retard-Präparate („retard“ = verzögert). Diese Art der Wirkstoff-Freisetzung dient vor allem der besseren Verträglichkeit des jeweiligen Präparates. Ermöglicht wird die Retard-Wirkung durch eine spezielle Zusammensetzung der entsprechenden Tabletten. Diese verhindert eine Auflösung des Präparats bereits im Magen und sorgt für eine länger anhaltende Freisetzung des Eisens im Dünndarm. So kann mit der Einnahme von nur einer Dosis der Eisenspiegel im Blut für bis zu 12 Stunden erhöht werden. Bei flüssigen Eisen-Präparaten ist eine verzögerte Freisetzung des Eisens nicht möglich – sie haben keine Retard-Wirkung.

Wie lange dauert eine Therapie bei Eisenmangel?

Man muss davon ausgehen, dass eine Therapie bei Eisenmangel mehrere Monate dauert – das hängt davon ab, wie leer die Eisenspeicher im Körper sind. Die Eisenspeicher können nur über einen längeren Zeitraum durch die regelmäßige Einnahme eines geeigneten Eisenpräparates wieder aufgefüllt werden.

Besprechen Sie Dauer und Verlauf der Therapie mit Ihrem Arzt – er wird in Abständen die Auffüllung der Eisenspeicher im Organismus über einen Bluttest kontrollieren. Bitte beachten Sie, dass die Therapie bei Eisenmangel mit medizinischen Eisenpräparaten nur dann voll wirksam ist, wenn Sie das verordnete Eisenpräparat regelmäßig einnehmen.

Einnahme von Eisenpräparaten nur bei medizinischer Indikation
Bitte beachten Sie: Es ist nicht empfehlenswert, größere Mengen Eisen ohne medizinischen Grund einzunehmen. Überschüssiges Eisen kann vom Körper nicht aktiv ausgeschieden werden und ist damit potentiell schädlich für den Organismus.

Kombinationspräparate – alles in einer Tablette?

Kombiprodukte enthalten neben Eisen zusätzlich Vitamine, Mineralstoffe oder weitere Spurenelemente. Das klingt zunächst positiv, trotzdem muss man wissen, dass manche dieser Zusätze die Aufnahme des Eisens im Darm vermindern. Das gilt beispielsweise für Calcium, Magnesium und Zink.

Wir haben bereits gesehen, dass auch bestimmte Inhaltsstoffe aus der Nahrung die Eisen-Resorption hemmen können: Phytate in Getreide und Nüssen oder Polyphenole in Tee, Kaffee, Gemüse und Hülsenfrüchten. Es ist also empfehlenswert, während einer Therapie gegen Eisenmangel nicht nur bei der normalen Ernährung auf solche Inhaltsstoffe zu achten, sondern auch bei den Eisenpräparaten, die eine kombinierte Wirkstoffzusammensetzung haben.

Bitte beachten: Vitamin C als Zusatzstoff fördert die Eisenaufnahme, während beispielsweise Magnesium sie hemmt. Achten Sie deshalb während einer Therapie bei Eisenmangel auch auf Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel, die Sie unabhängig von der Therapie einnehmen.

Wechselwirkungen zwischen Eisenpräparaten und anderen Medikamenten

Für Betroffene, die sowohl Eisenmangel als auch Sodbrennen haben, ist es wichtig zu wissen, dass Medikamente gegen Sodbrennen die Resorption von Eisen behindern. Das gilt sowohl für Mittel, welche die Magensäure neutralisieren (Antacida) als auch für Säureblocker (Protonenpumpenhemmer). Zudem zählt das Antibiotikum Chloramphenicol, das bei bakteriellen Infektionen zum Einsatz kommt, zur Gruppe der Medikamente, die eine Eisenaufnahme verschlechtern.

Umgekehrt können Eisenpräparate die Wirkung von Medikamenten negativ beeinflussen. So kann die Resorption von Antibiotika durch die Einnahme eines Eisenpräparates schlechter sein. Das betrifft zum Beispiel Wirkstoffe wie Ciprofloxacin und Tetracyclin. Auch die Wirkung von Schilddrüsenhormonen kann durch gleichzeitige Eisengabe beeinträchtigt werden. Der bei Bluthochdruck angewendete Wirkstoff Methyldopa wird ebenfalls wesentlich durch die Einnahme von Eisen an der Resorption und damit seiner Wirkung gehindert.

Bitte beachten: Aufgrund möglicher Wechselwirkungen sollte zwischen der Einnahme eines der genannten Medikamente und der eines medizinischen Eisenpräparates ein zeitlicher Abstand von mindestens drei Stunden eingehalten werden.

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